Vier digitale Vertriebe im Vergleich oder: Wie bekomme ich meine Musik auf iTunes?
Tags: CD-Baby, digital distribution, Dooload, imusician digital, iTunes, tunecore, vertrieb

Wer als Musiker etwas zählen will, muss seine Tracks früher oder später auf iTunes und den anderen großen Anbietern digitaler Musik veröffentlichen. Artists, die von einem Major-Label vertreten werden, brauchen sich um solche Dinge in der Regel keine Sorgen machen – für alle anderen war es bis vor kurzem schwierig, in die Musikstores des Webs zu kommen. Es gibt zwar Firmen, die mit Indie-Labels kooperieren, doch benötigen diese Labels meist einen ordentlichen Backkatalog – einfach ein Label gründen (mit sich selbst als einzigem Artist) ging da nicht.
Inzwischen ist es aber auch Musikern ohne Label möglich, ihre Musik auf digitalem Wege zu verkaufen. Ich stelle euch hier einen Vergleich von vier Anbietern vor, zwei davon aus Amerika, zwei aus Europa. Die Firmen wurden dabei auf folgende Merkmale untersucht:
- Laufende Kosten
- Einmalige Kosten
- Prozentuelle Kommission pro Song: Die meisten Anbieter schneiden pro verkauftem Track mit.
- ISRC und Barcodes: Bei den meisten Anbietern bekommt man diese gratis oder gegen Aufpreis dazu.
- Stores: Hier sollte man sich nicht durch die schiere Anzahl täuschen lassen – 300 belieferte Shops sind schön und gut, wirklich wichtig sind aber die 5-10 großen Shops, die den Löwenanteil des Downloadmarktes für sich verbuchen, allen voran natürlich iTunes. Da ich Beatport für einen wichtigen DJ-Markt halte, habe ich hier auch extra aufgeführt, ob dieser Store beliefert wird oder nicht.
- Bearbeitungszeit: Wie lange dauert es, bis die Songs online sind?
- Exklusivität: Ist der Vertrag exklusiv oder nicht-exklusiv? Ein exklusiver Vertrag bedeutet in diesem Fall, dass ihr eure Tracks nur über diesen einen Partner vertreiben dürft.
Hier nun also die vier Vertriebe im Vergleich:
CD-Baby
CD-Baby ist schon länger am Markt und hat sein Stammgeschäft im Verkauf von CDs von Independent-Künstlern. Damit ist die amerikanische Firma auch sehr erfolgreich – und ein gutes Beispiel dafür, dass man trotz eines schlechten Logos ein gutes Geschäft betreiben kann… Inzwischen hat CD-Baby das Betätigungsfeld auch auf die digitale Distribution ausgeweitet. Songs müssen aber nach wie vor per CD eingeschickt werden.
- Jährliche Kosten: keine
- einmalige Kosten: 35$
- Kommission: 9% pro Song
- ISRC und Barcodes: ISRC kostenlos, Barcode für 20$
- Stores: iTunes, Rhapsody, eMusic, Amazon MP3, Napster, Verizon V-CAST, Liquid Digital Media, PayPlay, AudioLunchbox, GroupieTunes, Ruckus, nicht dabei: Beatport, komplette Liste hier
- Bearbeitungszeit: ca. 4-6 Wochen
- Exklusivität: nicht-exklusiv
iMusician Digital
Die Schweizer Firma iMusician Digital hat 2007 gestartet und ist (auch dank massiver Myspace-Werbung) inzwischen recht bekannt. Mitbegründer des Projekts ist der Bandwettbewerb-Veranstalter Emergenza.
- Jährliche Kosten: 39€ pro Band oder Musiker (maximal 5 CDs)
- einmalige Kosten: keine
- Kommission: 15% pro Song
- ISRC und Barcodes: im Set um 8€
- Stores: iTunes, eMusic, Napster, Rhapsody, Musicload, Amazon MP3 und viele weitere (200+), inklusive Beatport für Electronic/Dance, komplette Liste hier
- Bearbeitungszeit: ca. 8 Wochen
- Exklusivität: nicht-exklusiv
Tunecore
Tunecore ist der große amerikanische Vorreiter und wirbt damit, die Einnahmen ohne Abzüge an den Künstler weiterzureichen – der Robin Hood unter den digitalen Distributoren. Daneben bietet Tunecore immer mehr klassische Services zum Diskont-Preis, z.B. CD-Pressungen, Posterdruck oder Song-Mastering.
- Jährliche Kosten: 19,99$ pro Album
- einmalige Kosten: 0,99$ pro Song und 0,99$ pro beliefertem Store (iTunes wird dabei in fünf verschiedene Weltregionen aufgeteilt – jede Region zählt als eigener Store)
- Kommission: keine
- ISRC und Barcodes: beides kostenlos
- Stores: iTunes, Rhapsody, Napster, eMusic, GroupieTunes, Amazon MP3, Lala, nicht dabei: Beatport
- Bearbeitungszeit: ca. 4-6 Wochen
- Exklusivität: nicht-exklusiv
Dooload
Das Musikerportal Dooload bietet zwei Optionen: die erste nennt sich “Netlabel” und bietet eine unbeschränkte Anzahl an Alben. Die zweite Option ist für Einzelkünstler gedacht und die Grundlage für diesen Vergleich.
- monatliche Kosten: 4,99€ pro Monat (wird nur bei vorhandenen Einnahmen fällig)
- einmalige Kosten: keine
- Kommission: 15%
- ISRC und Barcodes: beides kostenlos
- Stores: Dooload, iTunes, Musicload, Napster, Amazon und viele weitere (300+) nicht dabei: Beatport, komplette Liste hier
- Bearbeitungszeit: 6 Wochen oder mehr
- Exklusivität: exklusiv
Fazit
Jeder Anbieter hat seine Vor- und Nachteile – den klaren Gewinner gibt es nicht. Abhängig davon, wie viele Tracks man anbieten will, welche Verkaufszahlen man erwartet und welche Shops man beliefern will ergibt sich ein anderer Favorit. So verlangt Tunecore beispielsweise keine Kommision, um aber die jährlichen Kosten einzuspielen, bedarf es schon einiger Downloads.
Ich versuche, die Daten in diesem Vergleich möglichst aktuell zu halten – falls euch geänderte Konditionen bekannt sind oder ihr einen neuen Anbieter entdeckt habt, gebt mir bitte via max@gomakemusic.de Bescheid.
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