Archive for 'Artikel'

TouchOSC: Mini-Lemur für iPhone / iPodTouch

Tags: , , , , , , , , ,


Heute gibt’s was ganz spezielles für alle, die scharf auf den Jazzmutant Lemur sind, aber nicht das nötige Kleingeld dafür haben. Die iPhone/iPodTouch-Applikation TouchOSC bietet Lemur-ähnliche Funktionen, also ein Multitouch-Interface, zum Preis von 2,99€.

Im Video oben habe ich einen schnellen Test gemacht und TouchOSC mit Ableton Live verbunden. Nachdem Ableton Live momentan noch kein OSC versteht, habe ich OSCulator als Medium verwendet. OSCulator wandelt die OSC-Messages in MIDI-Messages um man kann TouchOSC mit Ableton Live verbinden. Der Rechner und das iPhone müssen nur im selben WLAN-Netzwerk sein und schon kommunizieren sie miteinander. Das iPhone kann dann das als Fernbedienung für den Rechner verwendet werden und bietet unter anderem

  • Drehregler
  • Knöpfe
  • Ein/Aus-Schalter
  • XY Pads (ähnlich einem Touchpad)
  • Multi-Fader
  • Multi-Toggles
  • LEDs

Ein ausführliches Tutorial zu TouchOSC und Ableton Live gibt es auf www.xlr8r.com/tv/85, OSCTouch findet sich hier im App-Store.




Presetsurfer mit Monome und Wiimote

Tags: , , ,

Hier ein Mitschnitt einer Show meines elektronischen Alter Ego Presetsurfer beim Styrian Stylez Festival in Graz. Danke an die Jungs von Fruitmedia für’s Mitfilmen und Schneiden.

Das Konzept von Presetsurfer besteht aus zwei einfachen Grundregeln:

  1. Verwende nur fertige Soft-Synth-Presets und modifiziere sie nicht. Normalerweise habe ich immer den Zwang, Synthie-Presets zu verändern, so dass deren Herkunft nicht erkennbar ist. Presetsurfer macht es genau anders rum.
  2. Verwende den Computer nur als Klang-Generator, nicht als Controller. Die ganze Performance wird nur mit Monome und WiiMote gesteuert, der Computer bleibt im Hintergrund – kein buckliges Herumgefuzzle vor dem Screen!

Neben Monome und Wiimote sind im Einsatz: ein schwarzes Macbook, Ableton Live, ein Shure SM58 und die Native Instruments Audio Kontrol. Als Synths kommen Absynth und Massive zum Einsatz.

SM Pro Audio V-Machine: Steck den VST Player in die Tasche

Tags: , , , ,

Endlich gibt es das Teil, auf das ich seit Jahren warte: einen portablen VST-Host, der es ermöglicht, auf der Bühne VST-Plugins und -Effekte zu verwenden, ohne dafür ein Notebook transportieren zu müssen. Die Box wird mit VSTs befüllt und kann dann zB per Keyboard über USB angesteuert werden. Ein Stereo-Audioeingang ist auch dabei (Miniklinke), man kann also auch Audioquellen mit VST-Effekten versehen. Dabei können mehrere Plugins verkettet werden.

Verwaltet werden die VSTs über die Kontroll-Software „VFX Utility”, die unter Mac OS, Windows und in Zukunft auch Linux läuft. Verwendet werden können nach meiner Leseweise aber nur Windows-Plugins (DLLs) – für den Mac-User leider sehr unpraktisch (Bootcamp oder Parallels-Nutzer können das Problem umschiffen).

Die Box ist in Wirklichkeit natürlich nichts anderes als ein kleiner Rechner (1 Ghz CPU, 1 GB IDE Flash Disk, 512 MB RAM, HD Audio Codec) – wenn auch ein sehr kleiner. Und genau darin liegt der große Vorteil der V-Machine: sie ist Vergleich zu einem Notebook sehr portabel. Der relativ hohe Preis von €499 könnte einen potentiellen Käufer aber überlegen lassen, vielleicht doch einfach ein Billig-Notebook zu kaufen.

Als weitere Produkte aus der V-Machine-Reihe hat SM Pro Audio das V-Pedal (Stomp-Box für Gitarristen) und das V-Rack (V-Machine mit 8 symmetrischen Ein- und Ausgängen) geplant. Beide sind im Handel noch nicht erhältlich.

Leider habe ich noch nicht Hand an die V-Machine legen können und bin daher sehr gespannt auf Reviews – hat jemand schon Erfahrungen damit gemacht?

Links:

Produktseite bei SM Pro Audio
Produktseite bei Thomann (aff)

Vier digitale Vertriebe im Vergleich oder: Wie bekomme ich meine Musik auf iTunes?

Tags: , , , , , ,

Wer als Musiker etwas zählen will, muss seine Tracks früher oder später auf iTunes und den anderen großen Anbietern digitaler Musik veröffentlichen. Artists, die von einem Major-Label vertreten werden, brauchen sich um solche Dinge in der Regel keine Sorgen machen – für alle anderen war es bis vor kurzem schwierig, in die Musikstores des Webs zu kommen. Es gibt zwar Firmen, die mit Indie-Labels kooperieren, doch benötigen diese Labels meist einen ordentlichen Backkatalog – einfach ein Label gründen (mit sich selbst als einzigem Artist) ging da nicht.

Inzwischen ist es aber auch Musikern ohne Label möglich, ihre Musik auf digitalem Wege zu verkaufen. Ich stelle euch hier einen Vergleich von vier Anbietern vor, zwei davon aus Amerika, zwei aus Europa. Die Firmen wurden dabei auf folgende Merkmale untersucht:

  • Laufende Kosten
  • Einmalige Kosten
  • Prozentuelle Kommission pro Song: Die meisten Anbieter schneiden pro verkauftem Track mit.
  • ISRC und Barcodes: Bei den meisten Anbietern bekommt man diese gratis oder gegen Aufpreis dazu.
  • Stores: Hier sollte man sich nicht durch die schiere Anzahl täuschen lassen – 300 belieferte Shops sind schön und gut, wirklich wichtig sind aber die 5-10 großen Shops, die den Löwenanteil des Downloadmarktes für sich verbuchen, allen voran natürlich iTunes. Da ich Beatport für einen wichtigen DJ-Markt halte, habe ich hier auch extra aufgeführt, ob dieser Store beliefert wird oder nicht.
  • Bearbeitungszeit: Wie lange dauert es, bis die Songs online sind?
  • Exklusivität: Ist der Vertrag exklusiv oder nicht-exklusiv? Ein exklusiver Vertrag bedeutet in diesem Fall, dass ihr eure Tracks nur über diesen einen Partner vertreiben dürft.

Hier nun also die vier Vertriebe im Vergleich:

CD-Baby

CD-Baby ist schon länger am Markt und hat sein Stammgeschäft im Verkauf von CDs von Independent-Künstlern. Damit ist die amerikanische Firma auch sehr erfolgreich – und ein gutes Beispiel dafür, dass man trotz eines schlechten Logos ein gutes Geschäft betreiben kann… Inzwischen hat CD-Baby das Betätigungsfeld auch auf die digitale Distribution ausgeweitet. Songs müssen aber nach wie vor per CD eingeschickt werden.

  • Jährliche Kosten: keine
  • einmalige Kosten: 35$
  • Kommission: 9% pro Song
  • ISRC und Barcodes: ISRC kostenlos, Barcode für 20$
  • Stores: iTunes, Rhapsody, eMusic, Amazon MP3, Napster, Verizon V-CAST, Liquid Digital Media, PayPlay, AudioLunchbox, GroupieTunes, Ruckus, nicht dabei: Beatport, komplette Liste hier
  • Bearbeitungszeit: ca. 4-6 Wochen
  • Exklusivität: nicht-exklusiv

iMusician Digital

Die Schweizer Firma iMusician Digital hat 2007 gestartet und ist (auch dank massiver Myspace-Werbung) inzwischen recht bekannt. Mitbegründer des Projekts ist der Bandwettbewerb-Veranstalter Emergenza.

  • Jährliche Kosten: 39€ pro Band oder Musiker (maximal 5 CDs)
  • einmalige Kosten: keine
  • Kommission: 15% pro Song
  • ISRC und Barcodes: im Set um 8€
  • Stores: iTunes, eMusic, Napster, Rhapsody, Musicload, Amazon MP3 und viele weitere (200+), inklusive Beatport für Electronic/Dance, komplette Liste hier
  • Bearbeitungszeit: ca. 8 Wochen
  • Exklusivität: nicht-exklusiv

Tunecore

Tunecore ist der große amerikanische Vorreiter und wirbt damit, die Einnahmen ohne Abzüge an den Künstler weiterzureichen – der Robin Hood unter den digitalen Distributoren. Daneben bietet Tunecore immer mehr klassische Services zum Diskont-Preis, z.B. CD-Pressungen, Posterdruck oder Song-Mastering.

  • Jährliche Kosten: 19,99$ pro Album
  • einmalige Kosten: 0,99$ pro Song und 0,99$ pro beliefertem Store (iTunes wird dabei in fünf verschiedene Weltregionen aufgeteilt – jede Region zählt als eigener Store)
  • Kommission: keine
  • ISRC und Barcodes: beides kostenlos
  • Stores: iTunes, Rhapsody, Napster, eMusic, GroupieTunes, Amazon MP3, Lala, nicht dabei: Beatport
  • Bearbeitungszeit: ca. 4-6 Wochen
  • Exklusivität: nicht-exklusiv

Dooload

Das Musikerportal Dooload bietet zwei Optionen: die erste nennt sich “Netlabel” und bietet eine unbeschränkte Anzahl an Alben. Die zweite Option ist für Einzelkünstler gedacht und die Grundlage für diesen Vergleich.

  • monatliche Kosten: 4,99€ pro Monat (wird nur bei vorhandenen Einnahmen fällig)
  • einmalige Kosten: keine
  • Kommission: 15%
  • ISRC und Barcodes: beides kostenlos
  • Stores: Dooload, iTunes, Musicload, Napster, Amazon und viele weitere (300+) nicht dabei: Beatport, komplette Liste hier
  • Bearbeitungszeit: 6 Wochen oder mehr
  • Exklusivität: exklusiv

Fazit

Jeder Anbieter hat seine Vor- und Nachteile – den klaren Gewinner gibt es nicht. Abhängig davon, wie viele Tracks man anbieten will, welche Verkaufszahlen man erwartet und welche Shops man beliefern will ergibt sich ein anderer Favorit. So verlangt Tunecore beispielsweise keine Kommision, um aber die jährlichen Kosten einzuspielen, bedarf es schon einiger Downloads.

Ich versuche, die Daten in diesem Vergleich möglichst aktuell zu halten – falls euch geänderte Konditionen bekannt sind oder ihr einen neuen Anbieter entdeckt habt, gebt mir bitte via max@gomakemusic.de Bescheid.

Monome – “das Ding mit bunten Lichtern”

Tags: , , , , , , , , ,

Was hier abgebildet ist, wird von den Mädels vom Justmag auf geniale Weise beschrieben als “Ding mit bunten Lichtern, das wir unbedingt auch haben wollen.” Dieses “Ding” heißt Monome und kommt bei Live-Auftritten meiner Band Fiago zum Einsatz. Es ist, abgesehen von seiner Funktion als Blickfänger, im Grunde ein MIDI- und OSC-Controller mit interaktivem Display und besteht aus einer Matrix von Knöpfen, die durch orange LEDs beleuchtet werden können. Es ist in seiner Funktion ähnlich dem Tenori-On von Yamaha.

Das oben abgebildete Gerät hat 16×16 Buttons, es gibt auch Ausfertigungen mit 8×8 oder 16×8 Buttons. Das Monome wird über eine USB-Schnittstelle an den Rechner angeschlossen und ist (zumindest in meiner Version) nicht Bus-Powered, benötigt also eine eigene Stromquelle. Die Software, die zwischen Monome und Computer vermittelt, läuft unter Mac, Windows und Linux.

Anwendungsmöglichkeiten

Das Gerät selbst hat noch keine eingebauten Funktionen. Um es zum Leben zu erwecken, benötigt man eine der vielen frei erhältlichen Applikation, die man von der Herstellerseite herunterladen kann. Damit kann das Monome z.B. als Step-Sequencer, Sampler, Synthesizer, als Playground für „Pong“ oder als reines Grafik-Device verwendet werden. Die Community-Seite des Herstellers ist Treffpunkt für viele Programmierer, die immer wieder neue Anwendungen entwickeln. Die meisten davon sind Patches für Max/MSP, PD oder VST-Plugins.

Das meiner Meinung nach interessanteste Plugin heißt „Molar“ und ist eine Kombination aus Step-Sequencer und Sample-Slicer. Es ist als VST- oder AU-Plugin erhältlich und man kann damit einige verrückte Dinge anstellen, zB im Live-Betrieb Samples aufnehmen, zerhacken und wieder zusammensetzen. Hier ein Beispiel für den Einsatz von Molar:

Der Entwickler dieses Plugins ist unglaublich engagiert und bietet sehr oft Updates an, wobei er gerne auf die Wünsche der User eingeht (siehe Molar-Thread der Monome-Community).

Design und Herstellung: Minimalismus und Nachhaltigkeit

Das Design der Geräte besticht in jeder Hinsicht: Gehäuse aus Wallnussholz, Deckplatte aus eloxiertem Aluminium ohne sichtbare Schrauben, alles sehr sauber und einwandfrei ausgeführt. Eigentlich könnte man sich das Ding als minimalistisches Design-Objekt an die Wand hängen. Dafür ist es dann aber doch zu teuer: die 16×16-Variante kostet knapp 1100$. Dazu kommen noch ungefähr 290€ Zoll und Transportkosten (Österreich). Wer das nötige Kleingeld hat, muss sich trotzdem auf eine längere Wartezeit einstellten – es werden immer nur 100 Stück pro Serie produziert, die aktuelle Serie war innerhalb von zwei Minuten durch Vorbestellungen ausverkauft.

Produziert wird das Monome von einer kleinen Gruppe von Enthusiasten im amerikanischen Philadelphia. Die Hersteller verzichten dabei auf bleihaltige Komponenten und andere toxische Substanzen, arbeiten mit lokalen Lieferanten zusammen und verwenden recycelbare Verpackungen – alles im Sinne einer gelebten Nachhaltigkeit.

Fazit

Ich benutze mein Monome seit einem halben Jahr und es hat meine Arbeitsweise beim Produzieren von elektronischer Musik grundlegend verändert. Hier trifft wieder mal die alte Weisheit zu: Die verwendeten Werkzeuge prägen das Kunstwerk entscheidend mit und neue Werkzeuge lassen neuartige Werke entstehen. Das zeigt auch das erste “All-Monome-Album”, das es hier zum Download gibt.

Mit einem Monome hat man im wahrsten Sinne des Wortes etwas in der Hand – man kann auf echten Knöpfen drücken, anstatt am Bildschirm zu klicken. Und das bringt mich zum grössten Pluspunkt des Monome: Es macht verdammt viel Spass!

Circle Soft-Synth: lecker Design und innovative Bedienung

Tags: , ,

Seit gestern kann man sich auf der FAW-Website den neuen Soft-Synth Circle herunterladen. Ich habe es schon getan und bin begeistert von den Features dieses Teils.

Im Grunde ist Circle ein Wavetable- und Analog-Synthesizer, wie es auch viele andere gibt. Was aber auf den ersten Blick auffällt und ihn von anderen Synthies unterscheidet, ist das cleane und ansprechende Design der Benutzeroberfläche, sowie die innovative und sehr einfache Bedienung. LFOs und Envelopes sind farbkodiert und anstatt virtuelle Kabel zu stecken, zieht man einfach einen der farbigen Punkte an eine freie Stelle und schon macht der LFO dort seine Arbeit.


FAW beschreibt das mit den Worten “Visually Design Sounds”. Ein weiteres Feature ist die “Midi Learn” Funktion, die allen Ableton Live Benutzern bekannt sein wird und auch stark am Original angelehnt ist. Daneben unterstützt Circle auch OpenSoundControl und kann damit beispielsweise direkt von einem Monome oder Lemur kontrolliert werden.

Auf der Hersteller-Website gibt es hier einige interessante Screencast (“Guided Tour”). Und ein ausführliches Interview mit den Machern von Circle findet sich auf Create Digital Music.

Wer die Einfachheit von Ableton Live liebt, wird auch Circle lieben! Die Hersteller haben bewusst darauf verzichtet, den “besten” oder “leistungsfähigsten” Synthie zu entwerfen. Stattdessen haben sie den Fokus darauf gelegt, die eigentliche Arbeit mit dem Tool möglichst einfach und schnell zu machen – das ist ihnen auch wunderbar gelungen. Circle verschanzt sich nicht hinter unzähligen Funktionen, die keiner braucht (und niemand versteht) sondern reduziert sich auf die wesentlichen Dinge. Einzig der relativ hohe Preis von 149€ erfreut mich nicht gerade, aber was soll`s. Ich werd mir das Teil trotzdem kaufen, soviel ist mir die Innovation und der Spaß wert. Ein ausführlicher Test, vielleicht auch ein Screencast, wird in den nächsten Wochen hier folgen.